Maximilian mal drei

Der erste Maximilian war römisch-deutscher Kaiser und hinterließ uns die Wendeltreppe in der Grazer Burg. Der zweite – auch Kaiser, aber von Mexiko – hinterließ uns bei seiner letzten Reise einen verwirrten Schuster, den dritten Maximilian.

 

Die Wendeltreppe ist ein architektonisches Meisterwerk, der Meister selbst jedoch unbekannt. Gebaut wurde sie um 1500 in der Regierungszeit von Maximilian I, damals noch König, später Kaiser. Graz war Residenzstadt. Sein Vater Friedrich III hatte Burg und Dom errichten lassen. Maximilian verbrachte den unbeschwerten Teil seiner Kindheit in Graz. Er gilt als letzter Ritter und gleichzeitig moderner Herrscher an der Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit. Er schrieb poetische Werke und war wohl auch ein großes Talent in der Selbstinszenierung. Ob die Doppelwendeltreppe als Symbol für die Ewigkeit gedacht war, ist nicht überliefert, ein bedeutendes Juwel der Baukunst ist sie jedenfalls. Ihr Besuch ein Muss.

 

Fast 400 Jahre später gab es wieder einen berühmten Maximilian. Der Bruder von Kaiser Franz Joseph wurde 1864 Kaiser von Mexiko. Ausgeheckt hatten das die Franzosen, um eine von ihnen abhängige Monarchie zu schaffen. Das Abenteuer ging schief, Maximilian wurde abgesetzt und hingerichtet. Admiral Tegetthoff brachte den toten Kaiser per Schiff nach Triest, von dort ging es mit dem Zug weiter nach Wien. Bei einem kurzen Aufenthalt in Graz konnten sich die Menschen verabschieden. Der Andrang war groß. Und hier kommt unser Schuster ins Spiel. Von Trauer übermannt, meinte er fortab Maximilian zu sein. In der damaligen Irrenanstalt Feldhof traf er sogar einmal auf Kaiser Franz Joseph, der einige Grazer Einrichtungen besuchte. Er begrüßte ihn mit „Kennst mi net Franzl, i bin ja dein Bruder“. 

 

In der Geschichtsliteratur hat der frühere Maximilian eindeutig die markante Nase vorn. Einige Werke ziert sein Porträt, sodass sich auch sein Aussehen ins kollektive Gedächtnis eingeprägt hat. Was den beiden Habsburgern gemeinsam ist, sind die Liebesg’schichten und Heiratssachen. Der erste Maximilian wurde mit Maria von Burgund verheiratet, eigentlich der Erbschaft wegen. Maria starb bei einem Reitunfall. Maximilian war zwar nochmals verheiratet, doch sein Herz ließ er im Sarkophag seiner ersten Frau in Brügge bestatten. Dieser Geste tun auch einige unehelichen Kinder keinen Abbruch. Die Ehe von Maximilian Nummer 2 mit Charlotte von Belgien war eine Liebesheirat. Sie lebten einige Zeit im eigens erbauten Schloss Miramare bei Triest. Es ist mit seinem prachtvollen Garten und seiner Lage am Meer jeden Ausflug wert. Auch die belgische Stadt Brügge habe ich in schönster Erinnerung. Charlotte wurde bald nach dem Tod ihres Mannes für wahnsinnig erklärt. Sie soll bis zum Schluss geglaubt haben, sie sei Kaiserin von Mexiko. Wie halt unser Schuster, der sich bis zu seinem Tod für den dazugehörigen Kaiser hielt.

 

 

Die Geschichte vom Schuster Alois Schrotz im Feldhof: Im Zeichen von Panther & Schlange, KAGes Verlag, 2006 * Maximilian I in früheren Blog-Geschichten: Goldenes Dachl und Steinerner Hund