Eiskalt erwischt

Der Winter hatte uns in diesem noch jungen Jänner 2026 für kurze Zeit fest im Griff. Eher medial, denn meteorologisch. Im ersten Monat des Jahres ist es auch schon viel kälter gewesen. 1903 hatte es Minus 23 Grad. 

 

Das ist zugegeben schon lange her. Es ist in etwa die Temperatur, bei der die 35 Tonnen Eis unserer Eiskrippe gelagert werden. Der Würfelstapel auf dem Foto ist ein Rest davon. Wenn die Figuren herausgesägt werden, darf das Eis nur mehr minus 10 Grad haben, sonst zerspringt es. Das ist jene Temperatur, die in Graz gerade für einen kurzzeitigen Ausnahmezustand sorgt. Der Winter will offenbar wieder einmal Winter sein. In den letzten 25 Jahren war die Durchschnittstemperatur im Jänner nur 7 Mal unter null. Messwerte gibt es bereits seit 1795, die Station am Platz vor dem Hauptgebäude der Universität liefert seit 1891 Daten. Im Online-Archiv finden wir auch den legendären 11. Feber 1986, als in Graz 72 cm Schnee fielen und das Leben für kurze Zeit fast zum Stillstand kam. Kälterekorde gab es am 24. Jänner 1903 und am 3. Februar 1929. Da froren die Grazerinnen und Grazer bei weniger als minus 23 Grad Celsius wahrscheinlich wirklich. Wenn Mütze, Schal, verzweifelt gesuchte Handschuhe und Daunenjacke nicht mehr helfen, verengen sich die Blutgefäße der Haut. Hände, Füße und Ohren werden weniger durchblutet, das Blut wird zur Versorgung der lebensnotwendigen Organe umverteilt. Außer der Körper ist daran gewöhnt wie in Lappland, wo die Durchschnittstemperatur im Winter unter minus 20 Grad liegt. Kalt ist eben nicht gleich kalt.

 

Es ist der Standort, der den Standpunkt bestimmt. Ich weiß, wovon ich schreibe. Als Kärntnerin mit Wohnsitz Klagenfurt hoffte ich auf möglichst langanhaltende tiefe Temperaturen, damit der Wörthersee zufriert. Als Kärntnerin mit Wohnsitz Graz, bibbere ich prophylaktisch schon ab minus 3 Grad. 2006 ist der Wörthersee das letzte Mal ganz zugefroren. Es war ein riesiges Volksfest. In unbekümmert jungen Jahren sind wir auch ohne Freigabe und geschlossene Eisdecke Schlittschuh gelaufen. Einmal sogar bis nach Einbruch der Dunkelheit. Bei irgendeiner Seevilla sind wir ans Ufer und mussten um Hilfe bitten. Damals war auch das Schwimmen im See schon bei 17 Grad angesagt, das fällt für mich heute unter Eisbaden. Graz hat immerhin seine Winterwelt zum Eislaufen. Sie hat schon 2022 Eingang in diesen Blog gefunden. Der Hilmteich liegt im Moment noch fotogen verschneit im Winterschlaf. Die ab und zu niedrigen Temperaturen sind neben dem bisschen Zumutung für verwöhnte Stadtmenschen auch ein Verkaufsbooster für Thermopads. Freuen wir uns, dass wir nicht vom Sturmtief anderer Länder betroffen sind. Das mediale Wintertrauma geht sicher bald vorüber und hinterlässt vor allem keine Schäden. Ich hege allerdings den Verdacht, dass uns der kalte Wind der Weltenunordnung noch länger ins Gesicht blasen wird. Warm anziehen hilft dagegen leider nicht.

 

 

Die Klimadatenarchiv der Uni Graz * Aktuelle Messwerte als 8-Tage Übersicht * Blog-Geschichte über die Eiskrippe