Wer's glaubt wird selig

Über 300 Redewendungen haben ihren Ursprung in der Bibel und sind bis heute erstaunlich präsent. 60 davon zeigt aktuell das Diözesanmuseum in Graz. Nicht wenige betreffen das Ostergeschehen. 

 

Museen, wie wir sie kennen, sind eine relativ junge Erfindung. Systematische Sammlungen entwickelten sich aus den fürstlichen Raritätenkabinetten. Öffentlich zugänglich waren die Kunstschätze jedoch lange nicht. Die Zeit der großen Museumsgründungen begann erst 1793 mit der Eröffnung des Louvre. In Österreich machte Graz den Anfang: 1811 gründete Erzherzog Johann das Universalmuseum Joanneum. Das Diözesanmuseum folgte deutlich später, erst 1932, zuerst bescheiden im Dom und nur sonntags zugänglich. In Kriegszeiten wurden die Kunstwerke ausgelagert, der Betrieb blieb auch danach lange unregelmäßig und wenig beachtet. Die Liturgiereform der 1960er Jahre brachte die Wende. Sie verbannte viele Ausstattungstücke aus den Kirchen und so ergab sich in den Folgejahren jede Menge Platzbedarf für sakrale Kunst. Das Museum fand im Minoritenkloster eine neue größere Heimat. Nach Ablauf des Mietvertrages erfolgte der Umzug in die Erdgeschoßräume des Priesterseminars in der Bürgergasse. Hier wurde 2010 der heutige Ort des Dialogs zwischen Kunst, Kirche und Glauben eröffnet. Bis Oktober 2026 zeigt „Ein Herz und eine Seele“ anschaulich, wie tief biblische Redewendungen in unserer Sprache verankert sind. Das ist in erster Linie Martin Luthers Verdienst, dessen kraftvolle deutsche Übersetzung die Bibel alltagstauglich und damit auch für einfache, weniger gebildete Menschen, zugänglich machte. Für das Neue Testament brauchte er 4 Monate, für das Alte 12 Jahre. 1534 war die Arbeit am Jahrtausendwerk vollendet.

 

Gerade zu Ostern klingt vieles vertraut. Blut schwitzen, sein Kreuz tragen, der Kelch, der vorübergehen soll. Der willige Geist und das schwache Fleisch, die Hände, die in Unschuld gewaschen werden. Alles Bilder, die direkt aus der Passionsgeschichte stammen. Auch der Hintergrund ist uns meist bekannt. Vielleicht zur Auffrischung: Jesus Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte, heißt es. Und die mit dem willigen Geist sind die Jünger, die am Ölberg Wache halten und mit Jesus beten sollten, aber eingeschlafen sind. Die Sache mit Pontius Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht, hat der Volksmund noch weiterentwickelt – wir laufen von Pontius zu Pilatus, wenn wir unnütze Wege gehen müssen. Jesus wurde zum Hohen Rat geschickt, dann zu Pilatus, dann zu Herodes und wieder zum römischen Statthalter. Neben den bekannten Bildern überrascht die Ausstellung mit weniger offensichtlichen Ursprüngen. Mein nicht selten verwendetes Marandana entpuppt sich als Hilferuf an Maria und Anna, Saperlot kommt vom Sakrament, also einem heiligen Zeichen, Jessas ist selbsterklärend. Und der Titel dieser Geschichte? In der Luther-Bibel gab es noch kein „Wer’s“. „Wer glaubt wird selig“ war damals noch ganz ernst gemeint … 

 

 

Veröffentlicht am 3. April * Fotos: Innerer Eingang ins Diözesanmuseum, Teil der Ausstellung „Ein Herz und eine Seele“ * Geschichte des Diözesanmuseums plus Ausstellungen * Mit Feuereifer und Engelszungen, Lexikon deutscher Wörter biblischer Herkunft, Rainer Metzner, C.H.Beck, 2026 * Wer’s glaubt wird selig, Redewendungen aus der Bibel, Gerhard Wagner, Regionalia Verlag, 2016