Verschlüsselte Botschaft aus dem All

Auf dem Grazer Schloßberg gibt es ein Stück österreichischer Raumfahrtgeschichte. Es ist eine auffällige Stahlplatte, die 1991 als Kunstprojekt entstand und ein Muster trägt, das seinen Ursprung im Weltall hat.

 

Natürlich standen Forschung und Technik im Mittelpunkt der Mission AUSTROMIR. Und natürlich hat der bisher einzige Österreicher im All, Franz Viehböck, im Oktober 1991 auch wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Aber für Graz ist er vor allem Teil des ersten Kunstexperiments in der Geschichte der russischen und ein bisschen österreichischen Raumfahrt. Die Idee des steirischen Medienkünstlers Richard Kriesche nennt sich Artsat und ist am Schloßberg zwischen Stallbastei und Glockenturm glänzend verewigt. Die Metallscheibe hat eine ungewöhnliche Geschichte. Bei einer der Erdumkreisungen am 6. Oktober 1991 spielte man den Donauwalzer. Als Graz in den Empfangsbereich der Raumstation kam, funkte Franz Viehböck eine Textbotschaft an das ORF-Landesstudio. Zusammen mit der Musik entstanden verfremdete Klangdaten, die aufgezeichnet und auf einen Roboter vor dem Studio übertragen wurden. Dieser schweißte sie direkt auf die Edelstahlplatte, die wir heute auf dem Schloßberg als ASCII-Himmel sehen. Davor gab es noch eine symbolische Handreichung des Künstlers auf einem Monitor der Raumstation. Was heute selbstverständlich klingt, war damals eine Sensation. Dank einer Entwicklung des Joanneum Research mit der TU Graz gelang die erste weltweite Live-Videoschaltung per Satellit. Die Raumstation MIR kreiste in 400 Kilometern Höhe um die Erde, 15 Jahre lang. Viehböck, damals Forschungsassistent an der TU Wien, kehrte nach 7 Tagen und 22 Stunden wieder zurück.

 

Franz Viehböck hat wissenschaftlich experimentiert und zu unserem kunstvollen Projekt auf dem Schloßberg beigetragen. Er hat aber auch seine beiden russischen Kollegen im All zu einem österreichischen Essen eingeladen. Ganz nach meinem Geschmack war es nicht: Inzersdorfer Reisfleisch aus der Dose, Anker Roggenbrot, Schinken und Salami von Messner aus Stainz, Vöslauer Mineralwasser, Hornig Kaffee aus Graz, Mozartkugeln und PEZ. Die kleine Auswahl auf dem Foto war schnell verfügbar, es gibt aber noch immer alles zu kaufen. Ein Wiener Schnitzel kam damals laut Presse nicht in Frage, herumfliegende Brösel hätten Geräte lahmlegen können. Abseits dieses Gastmahls sind damals wie heute gefriergetrocknete Speisen in Plastikfolie und Nahrungsmittel aus Tuben und Dosen üblich. Wegen des hohen Knochenabbaus – ein halbes Jahr im All lässt das Skelett um 10 bis 20 Jahre altern – wurde bei AUSTROMIR 91 erstmals ein Trainingsgerät getestet. Heute halten sich Astronautinnen und Astronauten mit täglich mindestens 2 Stunden Training fit. Ich war nie im All, obwohl meine Knochendichte anderes vermuten lässt. Ein täglicher Besuch des ASCII-Himmels auf dem Schloßberg hätte vielleicht helfen können. 

 

Die russische Raumstation MIR wurde übrigens 2001 aus Altersgründen kontrolliert zum Absturz gebracht. MIR heißt Frieden ...

 

 

Veröffentlicht am 24. Juli 2026 * Fotos: Edelstahlplatte auf dem Schloßberg, Lebensmittelauswahl * Alles über AUSTROMIR