Viele Menschen kennen ein Lied von Franz Schubert. Dass er auch in Graz war, ist verbrieft. Der kurze Aufenthalt in unserer Stadt soll sehr vergnüglich gewesen sein, wie er selbst schreibt.
Als Franz Schubert im September 1827 nach Graz kam, war er 30 Jahre alt und niemand ahnte, dass er etwas mehr als ein Jahr später nicht mehr leben sollte. Eingefädelt hatten den Besuch seine engsten Freunde. Gewohnt hat er bei Carl und Marie Pachler, wo ein Porträtrelief an der Fassade des Nachfolgebaus in der Herrengasse 28 an den berühmten Gast erinnert. Pachler war Rechtsanwalt, seine Frau eine gefeierte Pianistin. Ihr Salon war Treffpunkt des Grazer Bildungsbürgertums. Schubert genoss die Gastfreundschaft und gab auch ein Konzert am Ständischen Theater, angekündigt als „hochgefeierter Tonsetzer aus der Residenz“. Zu Lebzeiten war Schubert wohl eher hochbegabt als hochgefeiert. Er komponierte viel, verdiente wenig und lebte hauptsächlich bei und von seinen Freunden. Obwohl er so jung starb, hinterließ er über 600 Lieder, dazu Sinfonien, Kammermusik, Klavierwerke und Ouvertüren. Heute gilt Schubert als herausragender Vertreter der Romantik und Vater des Kunstliedes. Sein Talent wurde früh erkannt, er hatte auch eine gute musikalische Ausbildung, bei der er viele seiner späteren Freunde kennenlernte. So auch Baptist Jenger und Anselm Hüttenbrenner.
Jenger, Militärbeamter und Pianist, wurde nach Graz versetzt. Hüttenbrenner, selbst Komponist kehrte nach seinem Studium in Wien in seine Heimatstadt zurück. Als Sekretär beim Steiermärkischen Musikverein sorgte Jenger 1823 dafür, dass Schubert Ehrenmitglied wurde. Ein Jahr danach übernahm Hüttenbrenner die Leitung des Musikvereins. Mit 4 Jahren Verspätung hat Schubert die Ehrung bei seinem ersten und einzigen Graz-Besuch persönlich entgegengenommen. Nach drei vergnüglichen Wochen, einem Graetzer Walzer, einem Grazer Galopp und zwei Liedern ging es zurück nach Wien. Rund 75 Jahre danach schreibt der Grazer Rudolf Hans Bartsch den Roman „Schwammerl“ über das Leben des Liederfürsten. Wegen seiner kleinen, rundlichen Gestalt gaben ihm seine Freunde diesen Spitznamen. Das berühmte Dreimäderlhaus ist leider frei erfunden. Anselm Hüttenbrenner ist nicht nur als Freund Schuberts bekannt, er weilte auch an Beethovens Seite als dieser starb. Ein Stammbuch mit einem Eintrag von Schubert und einer Locke von Beethoven erinnert daran. Außerdem bewahrte Hüttenbrenner eine Handschrift der berühmten Unvollendeten noch Jahre nach Schuberts Tod auf. Erst ein Dirigent entdeckte sie bei ihm und brachte die Sinfonie zur Uraufführung.
Wie passend, dass gerade jetzt im Rahmen der Styriarte eine Schubertiade im Planetensaal von Schloss Eggenberg stattfand plus Picknick im Park mit Gesangsuntermalung. Wieder erkannt habe ich allerdings nur Leise flehen meine Lieder. In meinem montäglichen Singkreis steht Schubert hoch im Kurs. Am Brunnen vor dem Tore, Das Heideröslein und Die Forelle gehören zum Standardrepertoire. Die letzte Strophe der Forelle hat mich allerdings bisher ratlos zurückgelassen. Warum fängt der Fischer den Fisch erst, als er mit List das Bächlein trübe macht? Jetzt weiß ich: Die Forelle steht symbolisch für den Dichter, der jahrelang unschuldig eingesperrt war. Schubart, der Autor ging so gemeinsam mit Schubert, dem Komponisten in die Musikgeschichte ein. Es trennt sie ja auch nur ein Buchstabe. Auch Beethoven fehlt bei unseren Singtreffs nicht. Regelmäßig erklingt Die Ode an die Freude. Das mit der Locke, die Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner am Totenbett Beethovens mitgehen ließ, war über Jahrhunderte gang und gäbe. Beethoven hatte bei der Beerdigung kaum noch Haare auf dem Kopf. Dabei war die wilde Mähne sein Markenzeichen. Die Medizin freut sich: 32 Locken sollen noch existieren und können genetisch untersucht werden. Für das intimste aller Sammlerstücke gibt es bis heute einen Markt. Justin Biebers Haare wurden teurer verkauft als die von Beethoven …
Veröffentlicht am 9. Juli 2026 * Fotos: Relief Herrengasse 28, Cover des Buches 175 Jahre Musikverein (Jenger, Hüttenbrenner, Schubert), Schubertiade Styriarte Schloss Eggenberg * Stammbuch Anselm Hüttenbrenner * Lied von der Forelle (Jonas Kaufmann) * Haarauktionen Paul Fraser Collectibles