Bloomige Zeiten

Graz blüht im Frühling so richtig auf. 70.000 Blumen machen die Stadt bunter und lebenswerter und das Universalmuseum Joanneum startet mit 10 Ausstellungen an 8 Standorten ein florales Kaleidoskop.

 

Die Vorfreude auf die Blütenpracht am Eisernen Tor ist jedes Jahr groß. Dort zeigt die städtische Gärtnerei auch 2026 eindrucksvoll was sie kann. Insgesamt gibt es in der Stadt 61 Areale mit einer Gesamtfläche von 3.500 m², die von den rund 50 Gärtnerinnen und Gärtnern der Holding Graz betreut werden. Rundum zücken entzückte Menschen ihre Handys, um das farbenfrohe Arrangement festzuhalten und zu teilen. Besonders auffällig ist die Kaiserkrone, die Tulpen, Narzissen und Stiefmütterchen deutlich überragt. Wahrscheinlich haben die Gartenfachleute der kommunistischen Stadtregentin verschwiegen, wie die Pflanze heißt. Die orangen Blüten sind eine wahre Augenweide, die übrigens nichts mit dem Baum oder der Wiese zu tun hat. Das mittelhochdeutsche Wort steht für Speise und Labsal.

 

Weniger idyllisch wird es beim Blick hinter die Kulissen des Blumenhandels. Während die meisten Gartenpflanzen aus heimischer Produktion stammen, werden fast 90 Prozent der Schnittblumen importiert, vor allem über die Niederlande, inklusive langer Transportwege, fragwürdiger Arbeitsbedingungen und vieler Pestizide. Es geht aber auch anders: In Graz-Liebenau zeigt Gartenbau Wallner, dass Blumen nicht um die halbe Welt reisen müssen. Mit hohem ökologischem Anspruch werden in der größten Schnittblumengärtnerei Österreichs vor allem Gerbera, Rosen und Tulpen kultiviert.

 

Unter dem Jahresthema BLOOM treiben es auch die Museen bunt. Im Joanneumsviertel gibt es in der Neuen Galerie Blumenbilder aus 200 Jahren. Im frühen 19. Jahrhundert faszinierten vor allem realistische Pflanzendarstellungen. Daher auch der Titel Analytische Schönheit. Im Naturkundemuseum wird es mit Blümchensex unerwartet intim, geht es doch um das ziemlich komplexe Fortpflanzungsverhalten. Und in der Mineralogischen Sammlung zeigt die Ausstellung Eisenrose und Chrysanthemen-Stein wie häufig Blumen als Namensgeber für Mineralien fungieren. Im Kunsthaus verhandeln Künstlerinnen Wachstum, Vergänglichkeit und florale Ästhetik. Zu sehen sind unter anderem die Piss Flowers, entstanden bei der namensgebenden Tätigkeit im Schnee und dann in Gips gegossen. Oder die Sammlung eines Arztes aus Schladming. Er hat von seinen Reisen Blüten aus aller Welt mitgebracht, getrocknet und in eigens angefertigten Gläsern archiviert. Blumen als Symbole für gewaltfreie politische Veränderungen werden in einfachen Vasen arrangiert: etwa rote Nelken für den Umsturz in Portugal 1974 oder Jasmin für Tunesien 2011. Durch die Blume spricht das Volkskundemuseum bei den Geschichten vom Schenken. Auch das Münzkabinett, Stübing, Stainz und Trautenfels bloomen mit.

 

In so ziemlich jeder Kultur spielen Blumen eine Rolle – als Opfergabe, als Zeichen der Trauer, als Symbol der Freude, als heimliche Botschaft, als künstlerisches Motiv. Und wir alle haben unseren eigenen (Blumen)Draht zu den vergänglichen Schönheiten. Bei mir ist es eine Dauerbeziehung, frische Blumen gehören einfach in die Wohnung. Seit Kurzem haben sie Konkurrenz bekommen: eine Trockenblumenskulptur, selbst gestaltet im Material Lab des Kunsthauses unter Anleitung der Blumendesignerin Alma Bektas. Kreative Transformation nennt es die Künstlerin. Während ich noch brav Moos aufgebracht habe, hat sich die farbenprächtige Materialauswahl still und heimlich zu den anderen Teilnehmenden hin verabschiedet. Aber ich hatte mich ohnehin für dezentes Gelb entschieden. Das tue ich auch bei frischen Blumen. Gelb steht in der Floriografie (die gibt es wirklich) für Lebensfreude, Energie und Optimismus. Beim Flieder mache ich gerade eine Ausnahme. Die blühenden Mitbewohner oder -innen stammen meist vom Kaiser Josef Markt, aber auch aus dem Supermarkt, dort steht nämlich drauf, wenn sie aus Österreich kommen. Dass Flowerpower am Hasnerplatz in meiner Nähe Blumen von Gartenbau Wallner führt, weiß ich erst seit dieser Geschichte …

 

Veröffentlicht am 26. April 2026 * Fotos: Bepflanzung am Eisernen Tor, Eingang in die Museen des Joanneumsviertels * Entstehung meiner Blumenskulptur (Ausgangsmaterial, Bemoosung, fertiges Produkt) * Alle Ausstellungen zu Bloom * Die Stadtgärtnerei und Grünraumpflege * Werke der Blumendesignerin Alma Bektas